Friday, May 08, 2009

Lieber Düsenflieger nimm mich mit...

Ach, wie herrlich.

Eine super Idee hatten da die Organisatoren des Hamburger Hafengeburtstages 2009!

Weil die Schweiz das diesjährige Gastland ist, werden nicht nur Käse, Feinmechanik, Messer, Berge und Steuerschlupflöcher präsentiert. Nein, das würde nicht reichen, um ein eindrucksvolles Bild der Partner zu bekommen.

Die ansonsten militärisch sehr zurückhaltenden und politisch neutralen Schweizer können auch anders: Die können nämlich auch mit Kampfjets in der Gegend rumfliegen!

Und weil das in Zeiten von Kriegsführung mit (einfachen und schmutzigen)Atombomben und Informations-Kriegsführung über das Internet ja nicht mehr so viel Sinn macht, hat man sich gedacht: "karren wir die Vögel mal an den Hamburger Hafen, und lassen sie ein paar Runden rumfliegen - zum Amüsement der Besucher, und der Bevölkerung."

Zumindest letztere ist tatsächlich und wirklich unglaublich amüsiert! Wie schön es sich Arbeiten lässt, wenn man sich fragen muss, ob die Russen gerade gemerkt haben, dass sie Ihre alten Atombomben am besten loswerden, indem Sie sie mal schnell nach Hamburg fliegen und da abwerfen - oder sonst was passiert sein könnte.

Mich hat erfreulicherweise die Twitter-Suche nach "Hamburg" relativ schnell erleuchtet. Und Ruckzuck fanden sich da auch jede Menge wenig erfreute stimmen. Im Prinzip keine einzige positive Meldung - was natürlich daran liegen kann, dass die Begeisterten in dieser Zeit mit aufgerissenen Mäulern am Fenster, auf dem Dach oder der Straße standen, vor Freude erstarrt.

Ich habe mich prompt bei den Organisatoren des Festes beschwert - die Verantwortung für das Programm, so sagte mir Frau Imke Michaelis, trage aber die Behörde für Kultur, Sport und Medien. Es hätte mich nicht gewundert, wenn deren Vorsitzende auch noch ein Mitglied der GAL Fraktion wäre, die sich, weil man ebven Kompromisse eingehen muss, wenn man mitregieren will, selbst so für einen Quatsch nicht zu schade wäre - ist es aber zu meiner leicht positiven Überraschung nicht. Beschwerden für diese schlaue Idee nimmt wohl das Büro von Frau Senatorin Prof. Dr. Karin von Welck(parteilos) entgegen.
Ein bisschen seltsam, dass sie parteilos ist, aber trotzdem die einzige, die auf der CDU-Seite ein eigenes Bild und umfangreiches Profil bekommt, nicht wahr?

Genug für heute - eine letzte Bitte: Wenn in einem der Flieger noch Platz ist, würde ich gerne mal mitfliegen - ich bin ja auch ein bisschen Technik-Begeistert - und wenn das Teil schon über Hamburg zerschellt will ich doch wenigstens noch einmal Action haben dabei...

Noch ein interessantes Learning über den Microblogging-Kosmos dabei:
Während in der Zeit der Überflüge Twitter ganz gut gefüllt war mit Meldungen über die Entrüstung dieser Aufrüstungs-Präsentation, kann man jetzt, eine Stunde danach, diesen Stream gar nicht mehr so leicht wiederfinden.
Eben reichte die Suche nach "Hafengeburtstag" und "Hamburg" um den Bildschirm mit wenig erfreuten Meldungen über das Spektakel zu füllen. Das nächste mal mache ich einen Screenshot.

Nachtrag:

Das Ganze erinnert mich natürlich sofort an den schönen und toll organisierten Flugtag zu Ramstein im Jahre 1988. Ein Klassenkamerad von mir war dabei, ihm ist aber fast nichts passiert. Trotzdem sollte doch so ein Ereignis genügen, um in Deutschland, wo aller möglicher Mist verboten wird, man, um seine Steuererklärung selbst zu machen, nicht einen Bierdeckel braucht, sondern einen LKW voller Papier auswendig lernen muss, so einen Unfug fern jeden Nutzens im Umkreis von 50 Kilometern jedweden menschlichen Lebens zu verbieten.

Wer's nicht kennt, ein paar schöne Links:



Noch ein Nachtrag:

Schöner Satz dazu:

Airshows are cool, but the danger is there, and when things go wrong they can go spectacularly wrong in a hurry.


Die politisch Verantwortlichen, die, nur um etwas "Cooles" zu machen, hier auf dem Hafengeburtstag riskieren, dass wenn etwas passiert, es ganz schnell megamäßig in die Hose geht, handeln verantwortungslos.

Nachtrag II:

Mir ist gerade zu Ohren gekommen: Tatsächlich kam noch so ein Schlaumeier auf die Idee, zum 20 Jährigen "Jubiläum" des Ereignisses in Ramstein einen neuen Flugtag zu organisieren - sogar die Beteiligten dazu einladen wollte dieser Mensch. Was für eine Geschmacklosigkeit.

3 comments:

tubit said...

Guter Artikel, habe erst durch dich erfahren, dass heute in Hamburg so ein unsinniges Zeug los war...

Gut, es ist ja nichts passiert - aber wie Du schon schriebst: Wenn, dann hätte es richtig geschepptert.

Neben Rammstein sollte man nicht vergessen das dass Hamburger Wasserflugzeug vor ein paar Jahren auch "einfach so" abgestürzt ist...

Nun denn: Happy Birthday Hamburger Hafen...

Henning Sprang said...

Danke.

Im Nachhinein kann man immer sagen, ist ja nichts passiert. Die Frage ist, zu welchem Zweck, mit welchem Sinn, riskiert man welches Ereignis.

Hier ist der Zweck nicht erkennbar und das mögliche Ergebnis sehr schlimm für die Betroffenen.

Der Chef der Flugstaffel selbst sagt "Eine letzte Sicherheit gibt es nicht".

Außerdem wird das ja jeden Tag wiederholt, es ist noch nicht vorbei, und Herr Harry Denz von der Luftfahrtbehörde sagt ja schon "setzten die Piloten auf pyrotechnische Effekte und präzisen Formationsflug"
(NDR Artikel - Quelle der beiden Zitate)

Versucht haben die Flieger in Ramstein sicher auch nichts anderes als einen präzisen Flug - einen "pyrotechnischen Effekt" haben sie ebenfalls erreicht.

Hoffen wir mal, dass in Hamburg dieser Effekt in der Form ausbleibt.

Henning Sprang said...

Auch mopo berichtet (wenn auch noch zuwenig)